Folge uns auf

Allgemein

Inhalt der Drohnenverordnung. Das solltest Du wissen.

Behinderungen im Luftverkehr durch Drohnen

Beitrag zuletzt aktualisiert am 20.12.2017

Alles Wissenswerte zur neuen Drohnenverordnung auf einen Blick

Allein im September 2017 starteten von den zehn größten deutschen Flughäfen mehr als 80.000 Flugzeuge. Insgesamt beläuft sich die Anzahl deutschlandweit auf etwa 2,2 Millionen Flüge pro Jahr. Hinzu kommen noch Rettungshubschrauber, Heißluftballone, Luftsportgeräte wie Ultraleichtflugzeuge oder Hängegleiter und vor allem Modellflugzeuge und Drohnen. Es herrscht also viel Verkehr im deutschen Luftraum. Grund genug für den Gesetzgeber, die Nutzung von Drohnen mit der Drohnenverordnung vom April 2017 zu regeln.

Hier ein Überblick über die wichtigsten Inhalte.

registrierung drohne, Flugzeug kollidiert fast mit einer Drohne

2016 wurden in Deutschland 64 Behinderungen des Luftverkehrs durch zivile Drohnen gemeldet.

Einteilung der Drohnen in die Luftfahrzeugklassen. Das deutsche Luftverkehrsgesetz (LuftVG) ordnet jedes Luftfahrzeug einer bestimmten Kategorie zu. Dadurch lässt sich jedes Luftfahrzeug in Gesetzestexten und Verordnungen mit Bezug auf das Luftrecht eindeutig der jeweiligen Luftfahrzeugklasse zuordnen. Das ist besonders dann relevant, wenn einzelne Luftfahrzeuge von Verordnungen ausgeschlossen werden sollen oder explizit nur für sie bestimmt sind.

Die neue Drohnenverordnung regelt den Einsatz von privat und werblich genutzten Drohnen.

Die folgende Grafik zeigt, in welcher Kategorie Drohnen bei den Luftfahrzeugklassen eingeordnet werden. Da privat genutzte Drohnen in der Regel zum Zweck des Vergnügens oder der Freizeitgestaltung zum Einsatz kommen, wurden sie in die Kategorie Flugmodelle eingeordnet. Somit gilt die Drohnenverordnung auch für Modellflugzeuge. Gewerblich genutzte Drohnen fallen dagegen in die Luftfahrzeugklasse Sonstige.

Einteilung der Drohnen in die Luftfahrzeugklassen

Einteilung der Drohnen in die Luftfahrzeugklassen.
In Deutschland ist der Bundesanzeiger Verlag für die Veröffentlichung aller Gesetze und Verordnungen zuständig. Ohne eine Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt kann kein Gesetz in Kraft treten. Alexander Dobrindt, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, zeichnet für die Drohnenverordnung verantwortlich und verkündete sie am 6. April 2017 im Bundesgesetzblatt. Einen Tag später, am 7. April, trat die Drohnenverordnung in Kraft.
Allerdings gab es für die Regelungen zur Kennzeichnungspflicht und zum Kenntnisnachweis eine Übergangsfrist bis zum 30. September 2017. Ab dem 1. Oktober 2017 sind somit alle Regelungen der Drohnenverordnung gültig.

Einteilung unbemannter Flugfahrzeuge in Gewichtsklassen

Je nach Gewicht der Drohne schreibt die Drohnenverordnung teilweise unterschiedliche Regelungen vor. Dabei gilt, je größer das Gewicht, umso schärfer sind die Bestimmungen. Der Gesetzgeber hat sich bei unbemannten Luftfahrtsystemen für die folgende grundsätzliche Einteilung in Gewichtsklassen entschieden:

Die Drohnenverordnung kommt bei Drohnen erst ab einem Gewicht von mehr als 250 Gramm zum Tragen. Für Fluggeräte mit einem geringeren Gewicht gilt lediglich die Vorgabe für alle Flugobjekte, dass sie generell nur in Sichtweite geflogen werden dürfen.
Beispiele für Fluggeräte unter 250 Gramm sind unter anderem:

  • Faltbare Taschendrohnen: JY018 (156 g), Tagather (220 g)
  • Mini Quadcopter: Virhuck GB202 (12 g)

Geltungsbereich der Drohnenverordnung

Der Geltungsbereich bezieht sich auf den Ort, an dem du deine Drohne steigen lässt. Diesbezüglich gibt es nur einen Ort, an dem die Drohnenverordnung nicht gilt:
HINWEIS: Die Drohnenverordnung gilt bis auf die Kennzeichnungspflicht nicht beim Einsatz der Drohnen auf Modellflugplätzen!
Zum Zweck des Vergnügens und der Freizeitgestaltung sind Modellflugplätze oder Modellflughallen also die beste Location zum Betrieb von Drohnen. Hier können auch Drohnen mit einem Gewicht über 5 Kilogramm ohne Erlaubnispflicht gestartet werden. Eine Flughöhe von 100 Metern darf allerdings auch hier nicht überschritten werden. Bei Modellflugzeugen sind Höhen über 100 Meter erlaubt, wenn ein Kenntnisnachweis vorliegt.

Regelungen für Drohnen mit mehr als 250 Gramm Startgewicht

Die einzige Neuerung, die für unbemannte Flugsysteme mit einem Startgewicht zwischen 251 Gramm und 2 Kilogramm eingeführt wurde, ist die Kennzeichnungspflicht. Dabei muss am Fluggerät gut sichtbar eine Plakette angebracht werden, auf der Namen und Adresse des Besitzers aufgedruckt sind. So können im Schadensfall schnell versicherungsrelevante Informationen ermittelt werden. Die Beschriftung muss dauerhaft und feuerfest sein. Eigentümer von Drohnen können solche Plaketten in jedem Fachgeschäft für Beschriftungen erwerben. Weitere Möglichkeiten zum Erwerb bieten das Internet oder Schreibwarengeschäfte, die beispielsweise Aluminium-Aufkleber mit Adressgravur im Sortiment haben.

Eine ordnungsgemäße Kennzeichnung muss diese drei Eigenschaften aufweisen:

  • feuerfest
  • dauerhaft
  • fest mit dem Fluggerät verbunden

Beispiele für Drohnen aus dieser Kategorie sind unter anderem:

Regelungen für Drohnen mit einem Startgewicht von mehr als 2 kg

In dieser Kategorie kommt zusätzlich zur Kennzeichnungspflicht noch die Neuerung, dass der Besitzer einen Kenntnisnachweis erbringen muss. Als Kenntnisnachweis gelten beispielsweise eine Erlaubnis als Luftfahrzeugführer oder der Luftfahrerschein für Luftsportgeräteführer. Bei ausschließlich privat genutzten Drohnen zum Zweck des Vergnügens und der Freizeitgestaltung kann der Kenntnisnachweis bei den beiden Modellflugverbänden DMFV und DAeC erlangt werden. Ansonsten ist das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) für die Anerkennung von Stellen, die einen solchen Kenntnisnachweis anbieten, zuständig. Eine Liste der anerkennten Stellen ist auf der Webseite des Luftfahrt-Bundesamtes verfügbar.

Inhaltlich bestätigt der Kenntnisnachweis seinem Besitzer die folgenden Fähigkeiten:

  • Kenntnisse zum Betrieb und Navigation von unbemannten Fluggeräten
  • Kenntnisse über die einschlägigen luftrechtlichen Grundlagen
  • Kenntnisse zur örtlichen Luftraumordnung

Für den Erwerb des Kenntnisnachweises gilt ein Mindestalter von 14 Jahren. Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren können Drohnen mit einem Startgewicht von mehr als 2 kg deshalb nur auf Modellflugplätzen betreiben.
Des Weiteren stellt der Betrieb von Drohnen ohne Kennzeichnung oder Kenntnisnachweis eine Ordnungswidrigkeit dar und kann mit Bußgeldern bis zu 1.000 Euro geahndet werden.
Beispiele für Drohnen aus dieser Kategorie sind unter anderem:
YUNEEC Typhoon H Pro: 2,1 kg
DJI Inspire 1 Pro: 3,2 kg
Xiro Xplorer Vision: 3,6 kg

Regelungen für Drohnen mit einem Startgewicht von mehr als 5 kg

Kennzeichnungspflicht und Kenntnisnachweis werden bei Drohnen mit einem Startgewicht von mehr als 5 Kilogramm noch um die Erlaubnispflicht erweitert. Diese ist von den Landesluftfahrtbehörden einzuholen. Eine Erlaubnispflicht gilt unabhängig vom Gewicht übrigens auch für den Einsatz von Drohnen bei Nacht.
Die Drohnen dieser Kategorie kommen in der Regel nicht mehr hobbymäßig zum Einsatz, sondern werden hauptsächlich gewerblich benutzt. Mögliche Einsatzzwecke wären hier die professionelle Luftbildfotografie oder die Überprüfung von Stromtrassen und Brücken.

Beispiele für Drohnen aus dieser Kategorie sind unter anderem:

DJI Inspire 1: 7 kg
DJI M600: 9,6 kg (maximal 15,1 kg)

Flugverbotszonen für unbemannte Luftfahrtsysteme

Die Drohnenverordnung enthält eine Reihe von Flugverbotszonen, die unter dem Begriff „sensible Bereiche“ zusammengefasst werden. Das Überfliegen dieser Bereiche ist sowohl für Modellflugzeuge als auch für Drohnen, unabhängig von ihrem Gewicht, nicht erlaubt. Damit soll jegliche Behinderung oder Gefährdung von Menschen, Tieren und Gebäuden vermieden werden. Auch die Wahrung der Persönlichkeitsrechte spielt eine Rolle. Nicht zuletzt sollen auch Spionage und Terroranschläge mit Hilfe von Drohnen rechtlich eingeordnet und verfolgt werden können. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick darüber, welche Zonen zu den sensiblen Bereichen zählen:

sensible Bereiche

sensible Bereiche

Zusätzliche Regelungen der Drohnenverordnung

Die Drohnenverordnung schreibt vor, dass zu allen oben beschriebenen sensiblen Bereichen ein Seitenabstand von 100 Metern eingehalten werden muss. Das verbotene Fliegen außerhalb der Sichtweite bedeutet in der Praxis, dass FPV-Flüge (Flug aus der Sicht eines Fahrers/Piloten) oder Flüge mit Videobrille bis zu einer Höhe von 30 Metern zulässig sind, wenn das Fluggerät nicht mehr als 250 Gramm wiegt. Bei Fluggeräten mit Gewichten darüber wertet das Gesetz einen Flug dann nicht als „Flug außer Sichtweite“, wenn eine zweite Person das Sehen übernimmt und in der Lage ist, den Steuerer auf Gefahren aufmerksam zu machen. Die Gesetze müssen natürlich eingehalten werden, damit Versicherungsschutz besteht.

Ausweichpflicht

Die technische Entwicklung und erschwingliche Anschaffungskosten für Drohnen sorgen dafür, dass die Zahl der Liebhaber ständig wächst. Das Bundesverkehrsministerium zählt aktuell etwa 400.000 privat oder gewerblich genutzte Drohnen deutschlandweit. Die Prognosen bis 2020 belaufen sich auf den dreifachen Wert.
Kein Wunder, dass es 2016 auf deutschen Flughäfen leider schon zu 60 Behinderungen durch zivile Drohnen kam. 2017 wurde dieser Wert schon knapp allein in den ersten acht Monaten erreicht. Die Drohnenverordnung schreibt vor, dass unbemannte Luftfahrtsysteme und Flugmodelle verpflichtet sind, bemannten Luftfahrzeugen und unbemannten Freiballonen auszuweichen.

Behinderungen im Luftverkehr durch Drohnen

Statistik: 64 Behinderungen des Luftverkehrs durch zivile Drohnen im Jahr 2016 stehen 60 Behinderungen in den ersten acht Monaten 2017 gegenüber. durch Drohnen behindert

Haft- und Versicherungspflicht für unbemannte Luftfahrtsysteme bleibt bestehen

Alle Fluggeräte, die einer der oben genannten Luftfahrzeugklassen zugeordnet werden können, unterliegen den Regelungen über die Haftpflicht für Drittschäden nach den § 33 bis 43 des Luftverkehrsgesetzes. Darin heißt es, dass der Halter des Luftfahrzeugs für durch Unfall entstandene Schäden an Personen oder Sachen haftet.
Es ist wichtig zu wissen, dass Unfälle, die von Drohnen oder Modellflugzeugen verursacht werden, bei den meisten Versicherern nicht über die Privathaftpflichtversicherung abgedeckt sind. Eine zusätzliche Halterhaftpflichtversicherung ist also in der Regel erforderlich. Alternativ kann ein Wechsel bei der Privathaftpflichtversicherung zu zum Beispiel den Haftpflicht Helden sein, die die Drohnen Haftpflicht als Teil des privaten Haftpflichtschutzes anbietet.

Bei Verstoß gegen die Regelungen der Drohnenverordnung droht allerdings bei jedem Versicherer der Verlust des Versicherungsschutzes.

Mehr von Allgemein