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Testberichte

DJI Phantom 4 Pro im Test – Prosumer Spielzeug oder professionelle fliegende Kamera?

Dieser sehr umfangreiche Testbericht wird in eine andere Richtung gehen als die gewohnten Unboxings und Software Tutorials. Wir schreiben hier über unsere Erfahrungen mit dem Phantom 4 Pro als professionelles Werkzeug. Ist es möglich damit Aufnahmen in Kinoqualität zu erstellen und diese gewerblich zu nutzen? Das und mehr erfahrt ihr in diesem Review.

Beitrag zuletzt aktualisiert am 18.05.2017

Pro
  • Sehr gute Kamera
  • Lange Flugzeit
  • Intelligente Flugmodi
  • Sensoren und Sicherheitssyteme
  • Relativ kompakt
Kontra
  • Status als Hobbydrohne

Was steckt dahinter?

Ziel für uns war es, einen Quadrocopter zu testen, welcher mit den ganz Großen mithalten kann. Ich spreche hier von Oktokoptern mit RED oder ARRI Kameras oder dem aktuellen DJI Flaggschiff Inspire 2 mit der X5S Kamera.

Um eines dieser Geräte mit dem notwendigen Zubehör zur Verfügung zu haben, muss man mindestens 10.000 € investieren. Wenn man ARRI oder RED fliegen möchte, sind die Kosten sogar mindestens fünfmal so hoch.

Was bekommt man nun für sein Geld?

DJI verlangt für den Phantom 4 Pro 1.699 € im offiziellen Store. Das ist nicht gerade günstig, aber wenn wir uns ansehen mit wem wir es aufnehmen möchten, ist der Preis absolut angemessen. Man bekommt einen extrem leichten Rahmen aus einer Aluminiumlegierung und, wie von DJI gewohnt, ein perfekt verarbeitetes Produkt. Der Phantom 4 Pro ist in der Bauart und dem Design mehr oder weniger identisch zum Phantom 4, bis auf die seitlichen Sensoren, die meiner Meinung nach zu vernachlässigen sind, da sie nur im Anfänger- oder Tripod-Modus aktiv sind.

DJI
1.699,00 €

Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass sie beispielsweise bei einem Indoor-Flug mit Hindernissen, bei dem man sie eigentlich benötigen würde, eher stören als nutzen. Durch wirklich enge Passagen kommt man gar nicht durch, wenn sie aktiv sind, da der Copter sich weigert weiter zu fliegen. Hier hilft der Narrow Sensing Modus, der den Copter deutlich näher an Hindernisse fliegen lässt. Man kann diesen Modus nur über eine der Tasten auf der Unterseite des Controllers aktivieren, wenn man es in der App so einstellt.

Steuerungs- und Flugeigenschaften

Was die Flugzeit angeht ist hier die absolute Obergrenze des Industriestandards möglich. DJI gibt an, dass mit der 5870mAh Batterie bis zu 30 Minuten Flugzeit möglich sind. So lange sind wir aber nie geflogen, da diese Zeiten wahrscheinlich nur in absoluter Windstille und nur im Schwebemodus zu erreichen sind.

DJI Phantom 4 Pro mit Freewell ND Filter im Einsatz. (Foto: Gabor Wraight / WeLoveDrones)

Die Steuerung ist die wohl etablierteste auf dem Markt der Consumer Drohnen und wird über den mitgelieferten Remote Controller realisiert. Was uns an der DJI Software sehr gut gefällt, ist die Möglichkeit alle Werte bezüglich Beschleunigung und Reaktionszeit frei einzustellen. Dies sollte man sich auch unbedingt genauer ansehen und die für sich beste Konfiguration herausfinden. Meiner Meinung nach sind die ab Werk eingestellten Parameter viel zu sensibel, um damit sanfte Kamerabewegungen durchzuführen.

Das Herzstück des Phantom 4 Pro: Die Kamera

Das wirkliche Alleinstellungsmerkmal ist bei der Kamera zu finden. Sie sieht fast genauso aus wie beim Vorgänger, jedoch sind die Daten wirklich beeindruckend. 1 Zoll Sensor mit 20 Megapixel Auflösung? Das ist ordentlich. 4K Auflösung mit 60 Bildern pro Sekunde und das Ganze mit 100 Mbit/s auf den Chip bügeln – das leistet keine andere Drohne in diesem Preissegment.

Bildervergleich

Nicht zu vernachlässigen ist hier auch der mechanische Verschluss, der bis zu 1/2000s schließt und den hässlichen Jello Effect minimiert.

„Luftbildfotografie wird nicht nur genutzt, um Landschaften festzuhalten, es bringt neue Perspektiven in jeden Aspekt unseres Lebens, von Motorrennen bis zur Brandbekämpfung. Aufnahmen von Objekten bei hohen Geschwindigkeiten waren stets eine Herausforderung für fliegende Kameras mit einem elektronischen Verschluss. Daher nutzt der Phantom 4 Pro als erste Drohne der Phantom-Serie einen mechanischen Verschluss und eine große Objektivblende.“ (Quelle: DJI)

Bildervergleich zwischen den mechanischen und elektronischen Verschluss.

Bildervergleich zwischen den mechanischen und elektronischen Verschluss.

Perfekt für den professionellen Einsatz ist auch die neu hinzugekommene verstellbare Blende. Diese reicht von f2.8 bis zu f11. Der Phantom 4 hat eine feste Blende, was Belichtungseinstellungen nur über die Belichtungszeit realisieren lässt. Wenn man die 180-Grad-Regel befolgen möchte und die Verschlusszeit die doppelte Framerate sein soll, ist dies wirklich sehr hilfreich. Als Beispiel möchte ich 4K mit 60fps filmen, da ich den Clip evtl. in Post verlangsamen werde. Dazu sollte die Belichtungszeit die doppelte Framerate sein, also 1/120. Angenommen es ist um die Mittagszeit und relativ hell, kann ich einfach die Blende schließen, um weniger Licht hineinzulassen um die gewünschte Belichtungszeit ohne Filter o.a. beizubehalten.

Auch neu ist der Auto Fokus. Bisher war bei der Phantom 4 der Fokus unendlich, aber der Phantom 4 Pro bietet die Möglichkeit diesen manuell zu setzen. Wenn man nur hoch über Wälder fliegt, ist kein Unterschied zu bemerken, wenn man allerdings nah an Subjekten fliegt, ist dies ein schönes Feature.

Wie ist denn nun die Qualität der Bilder?

Wir bei BavAerials legen höchsten Wert auf qualitativ hochwertige Aufnahmen. Natürlich kann man sein Subjekt mit einem günstigen Copter und allen Einstellungen auf Auto filmen und das Ganze verkaufen. Das funktioniert teilweise auch wirklich gut. Unser Ansatz ist ein anderer. Wir verkaufen cinematische, emotionale Bilder, die den Betrachter mitreißen. Dazu gehört eine ausgiebige Planung des Fluges sowie die professionelle Umsetzung. Damit ist es dann noch lange nicht getan. Oft werden unsere Luftaufnahmen zusammen mit anderen Einstellungen von anderen Kameras verwendet. Das bedeutet, dass sie farblich dazu passen müssen. Was bringt es uns, wenn wir Material verkaufen möchten, das sich nicht integrieren lässt? Hier sind wir DJI und dem D-LOG Farbprofil sehr dankbar.

Laax (Schweiz) von Oben (Foto: Gabor Wraight / WeLoveDrones)

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1.699,00 €

Wer sich mit Videographie beschäftigt, weiß, dass es wichtig ist den größtmöglichen Dynamikumfang festzuhalten. Das bedeutet, man möchte möglichst viele Informationen zwischen den ganz dunklen (schwarzen) und den ganz hellen (weißen) Bildpunkten erfassen. Je mehr Informationen man hier speichert, desto mehr kann man im Nachhinein herausholen. Das menschliche Auge hat einen viel größeren Dynamikbereich als jeder digitale Kamerachip. Daher gilt: je mehr dieser Chip einfängt, umso besser. DJI bietet die Möglichkeit in diesem „flachen“ sog. D-LOG Farbprofil zu filmen. Wir haben also Anfang Januar unseren Phantom 4 Pro bekommen und sind so schnell wie möglich damit in die Luft gegangen.

Vergleich: D-Log Farbprofil (oben) und fertiges Color Grading. (Foto: Gabor Wraight / WeLoveDrones)

Wieder zurück im Studio wurden die Ergebnisse analysiert. Was soll ich sagen, wir konnten schlichtweg nicht glauben, welche Qualität uns der Phantom 4 Pro lieferte. Der Dynamikbereich war jenseits aller Erwartungen und wenn man mit 24 Bildern pro Sekunde in 4K filmt, somit die größtmögliche Datenmenge in jedes einzelne Bild packt, sind die Ergebnisse für Laien von den modernsten Kinokameras nicht zu unterscheiden. Ein Profi wird den Unterschied sehen, wenn man jedoch die Inhalte im Internet (Youtube, Vimeo etc.) veröffentlicht, zerstört die dortige Komprimierung sowieso jegliche Qualität. Als wirkliche Referenz kann man die Bilder nur auf einem kalibrierten 4K Monitor in kontrollierter Umgebung vergleichen. Das haben wir getan und sind immer noch begeistert.

Kaum jemandem wird so eine Umgebung zur Verfügung stehen, allerdings etablieren sich langsam 4K Fernseher. Der Qualitätsunterschied zwischen den aus dem h.264 Codec direkt kommenden und den durch z.B. Youtube komprimierten Bildern ist schon enorm. Am Desktop ein 4K Video ansehen ist schon sehr schön, wenn man die nötige Hardware hat, aber steckt mal einen schnellen USB Stick in eueren 4K Fernseher und schaut euch das mal an. Ihr werdet begeistert sein.

Mehr Freiheit dank Intelligenten Flugmodi

Abgesehen von der Kamera bietet auch die Software einiges an zusätzlichen Intelligenten Flugmodi. Wir sind von dieser Technologie schwer angetan, da sie es uns ermöglicht, Shots, welche bislang mit zwei Operatoren und dem entsprechenden Gerät geflogen werden mussten, alleine zu realisieren.

Als Beispiel könnt ihr euch vorstellen, wir haben eine Person auf einem Felsvorsprung und möchten gerade an ihr vorbeifliegen, jedoch soll die Kamera ständig auf ihr Gesicht gerichtet sein. Bislang musste der Pilot den Copter einfach nur geradeaus steuern und der Kamera Operator kümmerte sich darum, die Person im Bild zu behalten, indem er die Kamera entsprechend dreht. Dies kann man nun z.B. mit Course Lock und ein wenig Übung vollkommen alleine realisieren. Dabei stellt man den Kurs, also die Richtung, die fixiert werden soll, in der DJI Go 4 App ein. Ist dies erfolgt, fliegt der Copter, egal wie er gedreht ist (Yaw), wenn man nach vorne steuert immer an diesem voreingestellten virtuellen Pfad entlang. D.h. der einzelne Operator fliegt den Copter auf diesem Pfad an der Person vorbei und kümmert sich ebenfalls darum die Person mithilfe der Drehung des Copters perfekt im Bild zu halten. Ohne diese Unterstützung kenne ich niemanden, der so ein Manöver alleine fliegen kann. Für unsere Kunden sind solche Intelligenten Flugmodi kostensparende Neuerungen, da sie nur einen Operator bezahlen müssen.

Fazit

Wir sind so begeistert und überzeugt von dem Phantom 4 Professional, dass wir uns entschieden haben unseren gesamten Launch Trailer damit zu produzieren. Für einen Großteil unserer gewerblichen Aufträge verwenden wir diesen Copter, da er relativ klein und schnell einzusetzen ist. Auch die Post Production ist äußerst effizient. Wer schon ein mal ein RAW Video bearbeitet hat, weiß wovon ich hier spreche.

Ich würde allerdings nicht empfehlen bei einer Werbe-, Fernseh- oder Kinoproduktion mit dem Phantom 4 Pro aufzutauchen, da er hierzu einfach nicht professionell genug ist und wirkt. Bei so einem Job ist er für uns nur das Backup.

BavAerials Launch Trailer in 4K – Gefilmt mit dem Phantom 4 Pro

Allerdings würde ich sehr gerne mal einen Test mit einem Hollywood-Regisseur machen, um zu sehen ob er mit dem bloßen Auge den Unterschied erkennen kann. Ich würde es fast bezweifeln…

Ein kleines Manko ist allerdings, dass der h264 Codec nicht allzu viel Spielraum beim Color Grading lässt. Man kann hier natürlich nicht so viel rausholen wie bei z.B. CinemaDNG oder Apple ProRes. Für die Preisklasse empfehlen wir den Phantom 4 Pro für kleine bis mittelgroße Produktionen und hier ist er mit Abstand der beste Copter in diesem Segment.

Zu erwähnen ist noch der Unterschied zum Phantom 4 Pro Plus. Verwirrender Name, aber eigentlich hat die Plus-Version als Zusatz nur ein fest verbautes Display an der Fernbedienung. Dieses Display ist 5,5 Zoll groß und verfügt über eine Helligkeit von 1000cd/m2. Zum Vergleich schafft ein iPad nur knapp über 400cd/m2. Der Helligkeitsvorteil, gerade im Freien, ist enorm. Mir persönlich wäre das Display allerdings zu klein. Als größtes Manko der Plus-Version sehe ich, dass man momentan keine zusätzlichen Apps wie z.B. Litchi installieren kann, obwohl das Display ein vollwertiges Android Tablet ist.

Alle hier beschriebenen Ergebnisse setzen natürlich eine gewisse Erfahrung voraus. Die Automatik Modi funktionieren gut, allerdings kann man, wenn man weiß wie eine Kamera funktioniert, deutlich mehr herausholen. Zusätzlich ist eine gewisse Pilotenerfahrung nötig, um spektakuläre Bilder zu schaffen. Fünf Minuten lang Vollgas übers Maisfeld will vermutlich niemand wirklich sehen. Rechtlich muss dann auch noch einiges beachtet werden, um gewerblich fliegen zu können. Wann und wo darf man fliegen, wen muss man informieren etc.? Man benötigt diverses Zubehör, wie z.B. mehrere Akkus, Ladegeräte, ND Filter, was zusätzliche Kosten verursacht.

Alles in allem ist der Phantom 4 Pro als fliegende Spiegelreflexkamera zu sehen und kann mit dem nötigen handwerklichen Können beeindruckende Ergebnisse liefern.

Der Quadrocopter spricht sowohl die Freizeitflieger als auch Profis an. Beide Lager werden damit außerordentlich gute Aufnahmen schaffen, der Hobbyist begeistert sein Publikum durch die Professionalität der Bilder und der Profi erreicht eine Qualität, die zuvor nur mit weitaus größeren Investitionen möglich war.

2 Kommentare

2 Kommentare

  1. TobiR

    07.04.2017 um 11:57

    Mit welcher Software schneidet ihr eure Drohnen Videos? Sieht super aus!

  2. Gabor Wraight

    07.04.2017 um 14:01

    Danke dir TobiR. Wir schneiden mit Final Cut und Premiere. Sobald der Schnitt final ist kommt das Color Grading in DaVinci Resolve.

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